Cruising — Rita Nowak & Michael Horsky

06.11.–05.12.2015

„Cruising“ ist ein Begriff aus der Schwulenszene und bezeichnet unterschiedliche Formen aktiver Suche nach Sexualpartnern, die über Insider Codes kommuniziert werden. Rita Nowak und Michael Horsky haben ihre erste Gemeinschaftsausstellung zum Anlass genommen, den Terminus "cruising" als Darstellung eines Moments erotischer Hochspannung in die Bildsprache von Fotografie und Malerei zu übersetzen. Sujets aus der Kunstgeschichte übernehmen die Funktion semiotischer Codes.

Die Vorgeschichte des Projekts begann bereits 2004. Michael Horsky agierte als Model in den fotografischen „Tableaux“ von Rita Nowak. In der Folge entstand ein großformatiges Bild, in dem der Maler die Fotokünstlerin als Tänzerin mit Maria Chabelska aus dem Ballet de Russes von 1917 darstellte. Bereits damals begann sich abzuzeichnen, dass es auffallende Parallelen im Werk der beiden Künstler gibt. Die Ausstellung bot nun die Gelegenheit, diese auszuformulieren.

„Menschenarrangements“ oder „Lebende Bilder“ spielen in den jeweiligen Bildinszenierungen eine zentrale Rolle. Rita Nowak orientiert sich in ihren Fotografien an Genres der Malerei. „Die Palette ihrer Referenzen reicht von Goya und Frans Hals bis Manet und Hieronymus Bosch (Andreas Spiegl 2014)“. Die Künstlerin bevorzugt ein Minimum an Bildpersonal. Oft ist es eine einzelne Figur, die vor einer klar definierten Landschafts- oder Architekturbühne in Pose gesetzt wird. Model und Ambiente werden als Symbiose in einen malerisch inszenierten „Gesamtorganismus“ integriert. Der dargestellte Moment scheint bis ins kleinste Detail geplant und konstruiert, wie die Spiegel in den Atelierszenen, die einerseits auf die Künstlerin als Schöpferin verweisen, aber „auch auf den in seiner Abwesenheit anwesende Dritten: den Betrachter. So weiß sich das Werk von Rita Nowak als ein schon immer Gesehenes. Oder anders gesagt: Alles Sein ist Erscheinen. (Alexander Frühmann 2015)“ Die erotische Spannung, wie sie Rita Nowak inszeniert, entsteht durch das Innehalten in dem Moment bevor Erotik in Sex umbricht.

Auch in der Malerei von Michael Horsky finden sich Rückgriffe auf kunsthistorisch tradierte Darstellungsformen. Sie zeigen sich vor allem in den Kompositionen und den Figurenarrangements. Die Protagonisten agieren dicht gedrängt auf einer engen Raumbühne; Sex ist das zentrale Thema. Michael Horsky bettet seine Geschichten in Kompositionsschemata aus Mittelalter, Renaissance, Barock oder Romantik ein, wobei er in Erzählstruktur und Technik Bezug auf die Ikonografie und Ikonologie dieser Zeit nimmt. So finden sich orgiastische Inszenierungen, in denen die Anhäufung der Körper(-teile) keine Zuordnung mehr zulässt, historische Figuren, verstrickt ins Liebesspiel, oder auch "Schlüssellochszenen" in zarten Pastelltönen.

„Am Ende steht keine direkte Geschichte da, sondern eine präzise Stimmung in Form einer bildhaften Konstruktion. ,Cruising‘ als kurzer Moment eines Parallelslaloms, wo dann hoffentlich nicht jeder so schnell ans Ziel kommt.“
—Dr. Michal Vesely, 2015.

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