Billi Thanner

About the artist

„Bin ich Aktionistin? Ja, ich habe Kunst im Schlafzimmer verkauft.“ Konzernbesitzerinnen, Bankdirektorinnen, Models oder Skulpturistinnen erzählen in fiktiven Porträts von ihrer Arbeit, der Gesellschaft und ihrem Frausein oder anders formuliert: von der Kunst der Frauen in der Moderne. Starke Frauentableaus und gemalte Erzählflächen rund um das Thema Weiblichkeit bestimmen das künstlerische Werk von Billi Thanner. Auf den ersten Blick muten sie wie anachronistische Werbereklamen und eine Verneigung vor den Archetypen der Konsumwelt an, als die moderne Hausfrau noch selbstbewusst neue Küchenhelfer präsentierte. Doch hinter den halbnackten Pinup-Girls und der Ästhetik kommerzieller Werbebanner für Alltagsgegenstände verbirgt sich Billi Thanners subversiver Kommentar, ihre Ironie und vor allem die Leichtigkeit in ihrem Selbstverständnis als aktionistische Künstlerin. My Life My Way – skandiert nicht nur eine Tätowierung auf dem Oberarm der Künstlerin, sondern auch ihre Bildsujets reflektieren dies als Abbild ihrer selbst. Als andere Form der Hinterglasmalerei zeigt die Künstlerin dazu fotorealistische, aber unkonventionelle Motive in der für sie spezifischen Maltechnik auf technischer Weichfolie.

Billi Thanner zählt sich zu den ProtagonistInnen einer neuen Generation des zeitgenössischen, zeitgemäßen Aktionismus, dem Neo-Aktionismus oder Inter-Aktionismus. Der Reiz liegt dabei in der Freiheit, als Künstlerin über das eigene aktive Handeln verfügen zu können, etwas über die Grenzen hinaus tun zu können, ohne dafür eingewiesen oder verhaftet zu werden. „Mich reizt die Freiheit im Aktionismus, als Künstlerin zu entscheiden: ich ziehe das durch. Du wirst dafür nicht eingesperrt, sondern es wird zur Kunst erklärt. In keinem Beruf findest du diese Form von Freiheit.“ Dabei mischt sich die Präsenz und Tradition des Wiener Aktionismus mit Billi Thanners Humor, der ebenfalls traditionsreich noch weiter östlich verankert ist. Die Interaktion mit dem Publikum ist dabei wesentlicher Bestandteil. „Als Künstler muss man nicht erst sterben, um Geld zu verdienen.

“NO AIR – NO ART”

In den Millionenstädten dieser Welt gibt es so gut wie alles, nur leider sehr wenig frische Luft. Mit dem Kunstprojekt No Air- No Art, das als umweltkritische Installation erstmals 2014 im MoCA Museum of Contemporary Art in Peking gezeigt wurde und Ende 2015 in Shanghai zu sehen sein wird, macht Billi Thanner auf das akute weltweite Smog-Problem aufmerksam. Eine Botschaft, die sie in möglichst viele Metropolen tragen möchte, dazu dient ihr auch ihre Aktionsplattform Billi Thanner’s Art Army.

Geboren 1972 lebt und arbeitet die Künstlerin in Wien, Österreich. Mit ihren Arbeiten ist sie international vertreten – etwa in Antwerpen, Maastricht und Moskau, wie auch auf Messen in Basel, Köln und Paris.

Text: Brigitte Swoboda

www.billithanner.at