Meisterwerke der multiplizierten Kunst

18.02.2011 – 16.04.2011
Vernissage: 17.02.2011, 19 Uhr

Nur selten noch komplett erhalten, stellt die Präsentation der sogenannten „Hofhaus-Mappe“ mit allen 16 Original-Arbeiten eine Sensation dar. Erschienen 1962/64 in einer Auflagenhöhe von 100 nummerierten Exemplaren, bietet die Edition einen Querschnitt der wichtigsten Künstler der Zeit, darunter bedeutende Nouveaux Réalistes wie Arman, Tinguely und Yves Klein oder die Mitglieder der Künstlergruppe Zéro: Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Die „Poetisierung des täglichen Lebens“ war das gemeinsame Ziel. Auch die in ihrer Auswahl anspruchsvolle Edition verfolgte den Auftrag, neue idealistische und künstlerisch von vorangegangenen Ismen unbelastete Impulse zu vermitteln.

Als begrenzt und hemmend empfunden, lehnte man die konventionelle Malweise mit Pinsel und Farbe ab und experimentierte mit verschiedenen technischen Hilfsmitteln: „die neuen verfahren gestatteten uns mehr freiheit und waren die vehikel zu unseren weiteren abenteuern“ – so Piene. Beispielhaft hierfür enthält die Mappe ein Lichtrelief von Mack aus Aluminiumfolie, eine Feuergouache von Piene oder den Prägedruck eines Nagelbildes, handgearbeitet von Uecker. Wie dieses Werk enthält die Mappe neben zahlreichen Siebdrucken weitere von Künstlern fertig gestellte Arbeiten, etwa eine von Christo verpackte Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“, ein „Concetto spaziale“ von Lucio Fontana oder eine Reißarbeit von Oskar Holweck.

Auch Dieter Roth oder Joseph Beuys, von denen bedeutende Auflagenobjekte in herausragend qualitativer Dichte gezeigt werden, ging es mit ihren Editionen um Vermittlung im Sinne von „Verteilung“ und „Verbreitung“ künstlerischer Ideen. „Vehikel“ nannte Beuys deshalb seine Multiples auch – der in der Ausstellung präsentierte „Schlitten“ (1969) zählt sicherlich zu den exzeptionellsten und begehrtesten überhaupt.

Highlights multiplizierter Kunst aus den USA versammelt die äußerst selten gezeigte Edition „7 Objects/69“ (Tanglewood Press, New York 1969, Auflage: 100), eine Holzkiste mit Werken der Minimal und Conceptual Art von David Bradshaw, Eva Hesse, Stephen Kaltenbach, Bruce Nauman, Alan Saret, Richard Serra und Keith Sonnier.

Last but not least zeigt die Ausstellung eine österreichische Spezialität: die gesuchte von Günter Brus herausgegebene Gesamtausgabe der „Schastrommel“ mit den Nummern 1–17 im Originalschuber.